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Die altersbedingte Makuladegeneration (AMD) ist eine degenerative Erkrankung; sie tritt typischerweise im höheren Alter auf und führt zu einem großen, blinden Bereich im zentralen Gesichtsfeld. Betrifft dieser Sehverlust beide Augen, ist es für Sie schwierig oder gar unmöglich, zu lesen oder etwas zu fixieren. In diesem Fall kann es von praktischem Nutzen sein, wenn Sie den Kopf leicht drehen, um etwas zu sehen.

Charakteristisch für diese Erkrankung ist die langsam fortschreitende Degeneration der Retina im Makula-Bereich, dem Ort des schärfsten Sehens. Bei der altersbedingten Makuladegeneration kommt es oft zu einem Symptom, das als Ausfüll-Phänomen (filling-in) bezeichnet wird. Dabei werden die durch die Erkrankung entstandenen blinden Bereiche buchstäblich durch vergangene Seherfahrungen ersetzt. So nimmt das Gehirn etwa eine Figur als vollständig wahr, obwohl es deren visuelle Reize nur unvollständig empfängt. Patienten mit AMD, die Schwierigkeiten haben, Gegenstände mit der zentralen Retina zu fixieren, können dann die Position der Augen oder des Kopfes leicht verschieben, um den Sehverlust auszugleichen. Sie schauen quasi am Objekt vorbei, um es überhaupt sehen zu können. Dadurch wird das, was man wirklich sehen möchte, auf dem noch intakten Teil der Retina jenseits des geschädigten Bereichs platziert. Den neuen Teil der Retina, mit dem die Objekte jetzt bevorzugt betrachtet werden, bezeichnen Wissenschaftler als bevorzugtes Netzhautareal (preferred retinal location).

Leider kann es vorkommen, dass man unwissentlich die falsche Stelle als bevorzugte Netzhautlage wählt. Das ist besonders der Fall, wenn das gesunde Gewebe rechts oder links vom zentralen blinden Bereich genutzt wird. Zum Lesen müssen sich die Augen jedoch von links nach rechts oder, je nach kultureller Herkunft, von rechts nach links bewegen, wodurch bei der Augenbewegung von einem Wort zum nächsten der blinde Bereich im Weg wäre.

Um dieses Problem zu umgehen, sollte man beim Neuerlernen des Lesens als bevorzugte Netzhautlage lieber eine Stelle ober- oder unterhalb des zu lesenden Wortes wählen, also über oder unter dem Fixationspunkt. Sie sollten den Blick also leicht oberhalb oder unterhalb der Zeile bewegen. Dadurch nutzen Sie intaktes Retinagewebe, was das Lesen stark erleichtert, da das Skotom nicht im Weg ist. Entwickelt und erstmals klinisch eingesetzt wurde dieser Ansatz von dem schwedischen Wissenschaftlerpaar Dr. Ulla und Dr. Sven Erik Nilsson.

Ein wenig Training kann bei der Makuladegeneration also helfen, die beste Augenposition zum Lesen zu finden, damit der blinde Bereich im Zentrum der Netzhaut beim Lesen nicht im Weg ist.