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Wenn man Probleme mit dem Auge hat, geht man zu einem Augenarzt. Aber wenn die Erkrankung das Nervensystem des Auges wie die Retina, den Sehnerv oder das Gehirn betrifft, hat die Ophthalmologie begrenzte Möglichkeiten, um helfen zu können. Traditionelle Augenärzte denken, dass der Sehverlust irreversibel ist, sobald der Schaden passiert ist. Diese pessimistische Auskunft wird oft Patienten mitgeteilt, die unter solchen Erkrankungen wie Glaukom, diabetische Retinopathie, Optikus Neuropathie, Schädigung des Auges und des Sehnervs, Amblyopie, Schlaganfall oder Hirntrauma leiden. Mit dieser Nachricht wird der Patient dann oft allein gelassen.

Ein Neurologe, andererseits, ist mit Erkrankungen des Nervensystems und des Gehirns beschäftigt – z.b. mit dem Parkinson, dem Schlaganfall oder der Alzheimerkrankheit. Aber wenn die Patienten mehr über ihre Sehstörung wissen wollen, werden sie an einen Augenarzt überwiesen, da er mit visuellen Erkrankungen beschäftigt. Die Patienten können dann das Gefühl haben, dass sie zwischen den Stühlen sitzen.

Und es gibt ein weiteres Problem: Patienten, denen man erklärt, dass es keine Möglichkeit der Verbesserung einer Seheinschränkung gibt sondern ggf. auch noch eine bevorstehende Blindheit ankündigt, können verständlicherweise ängstlich, besorgt oder sogar depressiv werden. Hier sind dann Disziplinen wie Psychiatrie oder Psychologie gefragt.

Die Patienten mit Sehverlust haben kaum eine Chance ihr Sehproblem zu untersuchen oder „holistisch“ behandeln zu lassen. Es reicht nicht nur die Augen anzuschauen, aber das Gehirn und die Person hinter den Augen zu ignorieren. Das Sehen ist das Ergebnis einer komplexen Informationsverarbeitung im Gehirn und nicht nur ein Produkt der Augen. Wir sollten daher auch das Gehirn und seine ungenutzten Fähigkeiten betrachten, und fragen, ob der reduzierte Informationsfluss von visuellen Signalen verbessert werden kann.

Die “holistische” Behandlung von Sehbehinderungen zieht diesen Umstand in Betracht: es muss nicht nur die Funktion des Auges, sondern auch die des Gehirns und der gesamten Durchblutung optimiert werden. Abbildung 1 zeigt die Grundelemente der ganzheitlichen Behandlung; die tägliche Behandlung durch die Wechselstromstimulation (ACS) ist unsere Kerntherapie, sie wird mit Entspannungsmethoden, Sehtraining und psychologischer Beratung kombiniert. Das Ziel ist nicht nur den Augendruck oder das Überleben der retinalen Zellen zu regulieren, was die Augenärzte durch die Augentropfen oder Operationen erreichen können, sondern auch das Gehirn zu optimieren, um die Nutzung des restlichen visuellen Inputs zu maximieren.

Während die traditionelle Augenheilkunde anstrebt, die Verschlimmerung des Problems (Zelltod) zu verlangsamen oder möglichst vorzubeugen, besteht der neue ganzheitliche klinische Ansatz der Sehtherapie darin, das Restsehen zu verstärken, indem die Funktionen der geschädigten Zellen und das Gehirnnetzwerk optimiert werden, um das maximale Potenzial der verbleibenden „inaktiven“ Strukturen zu erreichen.

*Dies ist eine Zusammenfassung des Artikels von Professor Sabel und seinem Team:

Sabel BA, Cárdenas-Morales L, Gao Y. Vision Restoration in Glaucoma by activating Residual Vision with a Holistic, Clinical Approach: A Review. J Curr Glaucoma Pract 2018;12(1):1-9.