Glossar (Wörterverzeichnis)

Grundlagen, Begriffe und Definitionen

Unser Glossar ist dafür konzipiert, Licht ins Dunkel zu bringen und Begriffe der Ophthalmologie für unsere Leser zugänglich zu machen.

Aderhaut

Eine Gewebeschicht, die den äußeren Teil der Retina mit Blut versorgt.

Akinetopsie

Eine Erkrankung, bei der die Betroffenen Probleme haben, sich bewegende Objekte zu sehen.

Aktivitätsmuster

Die elektrochemischen Aktionen im Gehirn, die sich durch verschiedene Erfahrungen mit der Zeit verändern können.

Alphawellen

Ein Hirnwellenmuster mit einer Frequenz von 8 bis 14 Hertz (Schwingungen pro Sekunde), gemessen mittels Elektroenzephalogramm (EEG). Alphawellen können im ganzen Gehirn gemessen werden, vor allem im Hinterhauptlappen, der Verarbeitungszentrale für visuelle Informationen. Alphawellen sind normalerweise mit Entspannung verbunden und scheinen als eine Art Rauschfilter für die visuelle Verarbeitung wichtig zu sein.

Eine Hauptursache für den Sehverlust bei Menschen über fünfzig. Betroffen ist hierbei die Makula, der zentrale Teil der Retina, der das Sehen kleinster Details ermöglicht.

Amblyopie (»Schwachsichtigkeit«)

Eine Erkrankung, bei der ein Auge über normale Sehschärfe verfügt, während das andere in seiner Sehleistung eingeschränkt ist. Die Erkrankung entwickelt sich im jungen Alter, wenn die Augen nicht parallel ausgerichtet sind oder sich nicht ordnungsgemäß gemeinsam bewegen, wodurch es zu Doppelbildern kommt. Das Gehirn versucht diesen Zustand zu korrigieren, indem es ein Auge ignoriert, wodurch die visuelle Leistung dieses Auges durch Nicht-Nutzung beeinträchtigt wird.

Anteriore ischämische Optikusneuropathie (AION)

Eine Erkrankung, bei der nach einem Schlaganfall im Auge der Sehnerv infolge mangelhafter Durchblutung geschädigt wird, wodurch es zum Sehverlust kommt. Es gibt zwei Typen: arteritische AION (oder AAION) und nicht arteritische AION (oder NAION).

Äquipotenzialität (Rindenfelder)

Die Tatsache, dass mentale Funktionen nicht nur von einzelnen, lokalen Hirnregionen kontrolliert werden, sondern dass sie von größeren, über das Gehirn verteilten Arealen repräsentiert werden können. Äquipotenzialität impliziert, dass ein Hirnareal nicht nur eine bestimmte Funktion kontrolliert, sondern dass an dieser Funktion auch andere Hirnareale beteiligt sein können.

Astigmatismus

Ein Sehfehler, der mit verschwommener Sicht einhergehen kann und bei dem das Auge die Lichtstrahlen nicht gleichmäßig auf die Retina, das lichtempfindliche Gewebe an der Rückwand des Augapfels, bündelt. Dadurch können einige Objekte trotz gleicher Entfernung vom Auge unscharf gesehen werden. Der Effekt ist ähnlich wie bei einer Lupe mit Unebenheiten, die das Bild an diesen Stellen unscharf werden lässt.

Augenmuskel-Agonist

Ein kontrahierender Augenmuskel, der für die Augenbewegung in die Richtung der Muskelkontraktion verantwortlich ist.

Augenmuskel-Antagonist

Der Muskel, der das Auge in die Gegenrichtung des Agonistenmuskels zieht. Während der Agonist zieht, muss der Antagonist sich entspannen und wird dabei gedehnt.

Augenyoga

Bestimmte Augenübungen, die die Augenmuskeln und das Sehvermögen stärken. Wie bei normalem Yoga werden beim Augenyoga die Muskeln systematisch angespannt und gedehnt, wodurch sie stärker und beweglicher werden.

Ausgangsniveau (Baseline)

Das Ergebnis einer Voruntersuchung, auf das bei späteren Messungen Bezug genommen wird.

Aussprossung

Auch axonale Aussprossung genannt. Die Ausbildung neuer Axonterminale (der Axon Endknöpfchen), ausgelöst durch die Aktivierung von Hirnzellen.

Axon

Die Nervenzellfaser, die Informationen von der Hirnzelle (Neuronen) wegleitet und elektrochemische Informationen zu anderen Hirnzellen überträgt. Wie ein Elektrokabel sind Axone der elementare zelluläre Übertragungsweg für neuronale Informationen. Jede Hirnzelle hat nur ein Axon, über das sie sich mit anderen Hirnzellen verbindet.

Axonale Aussprossung

Ein Vorgang, bei dem die Enden eines Zell-Axons (auch Axon-Terminale oder Endknöpfchen genannt) neue Verzweigungen bilden, um die Verbindung zur nächsten Zelle zu stärken.

Balint-Syndrom

Eine seltene Störung, oft die Folge eines Schlaganfalls, bei der die Betroffenen einen Gegenstand zwar sehen, aber das Bild nicht in seiner Gänze erfassen können. Die Betroffenen können außerdem Mühe haben, zu fixieren oder die räumliche Lage eines Objekts einzuschätzen.

Basedowsche Krankheit

Eine Erkrankung, die die Augenmuskeln in Mitleidenschaft zieht und normalerweise medikamentös und chirurgisch behandelt wird.

Bevorzugte Netzhautlage (bevorzugte retinale Lage)

Die noch funktionierenden Teile der Retina, die nach dem Verlust des Zentralsehens zum Fixieren eingesetzt werden. Wird auch als »exzentrische Fixation« bezeichnet.

Bewegungstraining der Augensakkaden

Ein Kompensationstraining, bei dem die Augen hin und her bewegt werden, um die Umgebung zu scannen und so den Sehverlust auszugleichen.

Binokularsehen

Der sichtbare Bereich, wenn beide Augen gleichzeitig zum Einsatz kommen.

Bipolare Zellen

Die Nervenzellen der Retina, die an der Aufbereitung visueller Informationen beteiligt sind. Die bipolaren Zellen empfangen Nervensignale von den Stäbchen oder Zapfen (Fotorezeptoren) und leiten diese zu einer weiteren Zellschicht in der Retina (den retinalen Ganglienzellen) weiter, die direkt mit dem Hirn verbunden ist.

Bleistiftübung

Eine Übung, bei der mit einem Bleistift die Augenkonvergenz (willentliches Schielen) geübt wird, um die Augenmuskeln zu kräftigen und ihre Zusammenarbeit zu verbessern.

Blepharitis

Eine häufige und hartnäckige Entzündung der Wimpernfollikel entlang des Lidrands.

Blickweite

Der Bereich der visuellen Welt, der sichtbar ist, wenn Augenbewegungen zugelassen werden. Die Blickweite sollte nicht mit dem Gesichtsfeld verwechselt werden, bei dem es sich um den sichtbaren Bereich während des Fixiervorgangs handelt, also wenn die Augen bewegt werden.

Blindsehen

Die Fähigkeit, etwas im erblindeten Abschnitt das Gesichtsfeld zu sehen, obwohl die Betroffenen sich dessen nicht bewusst sind. Zeigt man den Patienten innerhalb dieses Bereiches ein visuelles Objekt, geben sie an, nichts zu sehen. Werden sie aber zum Raten aufgefordert, raten sie jedoch richtig, ohne bewusst etwas gesehen zu haben. Es handelt sich um eine Form des »unbewussten« Sehens.

Bottom-up Einflüsse

Die von der Außenwelt hereinkommenden Informationen, wie zum Beispiel die elektrischen Impulse der Retina, die zwecks Analyse und Interpretation zum Gehirn geleitet werden.

Colliculi superiores (kleine Sehhügel)

Der Teil des Tectums, der für die Scharfstellung und Bewegung der Augen und für die räumliche Orientierung mitverantwortlich ist. Hier wird das Sehen auch mit den anderen Sinnen koordiniert (z. B. mit dem Hören).

Cornea (Hornhaut)

Die transparente, schützende Außenschicht des Augapfels, die das Licht beugt und zusammen mit der Augenlinse das Fokussieren von Objekten ermöglicht.

Dendriten

Winzige Nervenzellfasern, die die von anderen Zellen übertragenen Informationen empfangen.

Diabetische Augenerkrankung

Eine Gruppe von Augenkrankheiten, einschließlich der diabetischen Retinopathie, die vor allem bei Diabetes vorkommen und zu Retinaschädigungen führen kann.

Dilatation

Die Erweiterung der Pupille, die dazu führt, dass mehr Licht ins Auge gelangt. Dilatation kann mithilfe von Augentropfen herbeigeführt werden und ermöglicht dem Augenarzt eine leichtere Untersuchung des Augenhintergrunds.

Donders-Test

Ein Test des Gesichtsfelds, bei dem der Patient dem Finger des Untersuchers folgt, der diesen ins Gesichtsfeld hinein und wieder hinausführt.

Elektroenzephalogramm (EEG)

Ein Test, bei dem die elektrische Aktivität des Gehirns durch Aufzeichnung der Hirnwellen gemessen wird. Die Hirnwellen unterscheiden sich hinsichtlich ihres Aktivitätsniveaus (Amplitude) und ihrer Feuergeschwindigkeit (Frequenz).

Engramme

Die durch Erfahrung (Lernen) im Gehirn hinterlassenen Spuren.

Extrastriäre Areal

Die für Bewegung, Farbe und Wahrnehmung empfänglichen Hirnareale, die jenseits des primären visuellen Kortex liegen.

Extrastriäre Sehbahn

Eine schnelle Informationsautobahn im Gehirn, die unabhängig von der primären Sehbahn ist und eine Art Alarm auslösen kann. Sie ermöglicht dem Gehirn, die zeitintensivere, bewusste Verarbeitung von Sehimpulsen zu umgehen.

Fotorezeptoren

Die lichtempfindlichen Nervenzellen der Retina, die Photonen in neuronale Signale umwandeln.

Fovea (Sehgrube)

Eine Einbuchtung in der Retina mit einem Durchmesser von etwa 0,5 mm, die von besonderer Bedeutung für das Sehen von Farben und kleinen Details ist.

Ganglienzellen (auch: retinale Ganglienzellen)

Die spezialisierten Nervenzellen, die das aufbereitete Signal aus den bipolaren Zellen empfangen und diese visuellen Informationen durch besonders lange Axone beziehungsweise Nervenzellfortsätze weiterleiten, die im Thalamus, einer Struktur in der Mitte des Gehirns, enden.

Der sichtbare Bereich, während der Blick nach vorne gerichtet ist, ohne dass dabei die Augen oder der Kopf bewegt werden.

Gesichtsfeldgrenze

Die Grenze des sichtbaren Bereichs, ohne dass die Augen bewegt werden oder der Kopf gedreht wird.

Gesichtsfeldkarte

Eine anhand eines Perimetrietests erstellte Karte, aus der die Lage der Bereiche mit gutem Sehvermögen, reduziertem Sehvermögen (Restsehen) und völliger Blindheit hervorgeht.

Gesichtsfeldkartierung

Die Vermessung des Gesichtsfelds mithilfe von Lichtpunkten, die von einem Perimeter dargeboten werden.

Gesichtsfeld-Test

 Eine Messung der Sehleistung im Zentrum und an den Seiten beziehungsweise der Peripherie des Gesichtsfelds.

Gesprächspsychotherapie

Ein psychotherapeutischer Ansatz, der den Schwerpunkt auf Empathie und Verständnis legt, oft empfohlen bei allgemeinen Bewältigungsproblemen und Angststörungen.

Gestalttherapie

Ein psychotherapeutischer Ansatz, bei dem der Patient lernt, destruktive Gedanken und destruktives Verhalten zu beenden und sich stattdessen auf die Gegenwart (»das Hier und Jetzt«) zu konzentrieren.

Eine Krankheitsgruppe, die durch die Schädigung des Kopfes des Sehnervs zu Sehverlust und sogar Blindheit führen kann. Die Ursache kann ein zu hoher Augeninnendruck sein, allerdings kommt das Glaukom auch bei normalem Augeninnendruck vor (»Normaldruckglaukom«).

Hemianopsie

Eine durch Hirnverletzung oder Schlaganfall verursachte Störung, bei der Betroffene auf einem oder beiden Augen nur eine Hälfte eines Objekts sehen können. Zur Hemianopsie kann es auch nach der chirurgischen Entfernung eines Hirntumors kommen, der in oder nahe der visuellen Verbindung zwischen den visuellen Hirnzentren liegt.

Hemifeld

Die rechte oder linke Hälfte des Gesichtsfelds.

Hemisphäre

Eine der beiden symmetrischen Hälften des Gehirns.

Heteronym

Eine Störung, von der beide Augen asymmetrisch betroffen sind. Beispiel: ein Skotom im linken oberen Gesichtsfeld eines Auges und ein zweites Skotom im unteren rechten Gesichtsfeld des anderen Auges.

Hinterhauptlappen

Der hintere Teil des Gehirns, in dem auch die wichtigsten Zentren für die visuelle Verarbeitung liegen.

Holistisch

Die ganzheitliche Sicht statt der ausschließlichen Betrachtung einzelner Teile. In der Seh-Rehabilitation ist dabei die Behandlung des Menschen als physische und psychische Einheit gemeint. Nicht nur körperliche Beeinträchtigungen oder Beschwerden des Patienten werden berücksichtigt, sondern auch sein mentaler und emotionaler Zustand sowie sein soziales und familiäres Umfeld.

Homonym

Eine Störung, bei der beide Augen an der gleichen Stelle betroffen sind. Beispiel: ein Skotom im oberen linken Gesichtsfeld sowohl des rechten als auch des linken Auges.

Hyperopie (Weitsichtigkeit)

Ein mithilfe einer Brille korrigierbarer Sehfehler, bei dem weiter entfernte Gegenstände schärfer gesehen werden als nahe Gegenstände.

Iris

Der farbige Ring des Auges, der die Menge des eintretenden Lichts regelt. Dies geschieht über Muskeln, die ähnlich wie bei einer Kamerablende die Pupille öffnen und schließen.

Ischämie

Unzureichende Blutzufuhr, die zu einer Schädigung der Retina oder des Gehirns führen kann. Mögliche Ursache ist die Verstopfung eines Gefäßes durch ein Blutgerinnsel oder die pathologische, oft stressbedingte Kontraktion des Blutgefäßes selbst (Spasmus).

Katarakt (grauer Star)

Eine Trübung der Augenlinse, bei der das Sehvermögen durch verschwommene Sicht beeinträchtigt ist.

Knotenpunkt

Eine Zellansammlung im Hirngewebe, die zusammen mit anderen für die Dauer einer bestimmten Aufgabe einen gemeinsamen Verarbeitungsverband bildet. Eine Gehirnzelle kann an mehreren Knotenpunkten beteiligt sein.

Kognitive Verhaltenstherapie

Auch bekannt als rational-emotive Verhaltenstherapie oder dialektische Therapie. Ein psychologischer Ansatz, bei dem der Therapeut darauf abzielt, die Denkhaltung des Klienten zu ändern, indem er ihm aktiv hilft, Gedanken zu identifizieren, die z.B. Depressionen auslösen.

Kompensation

In der Seh-Rehabilitation meint Kompensation normalerweise den vermehrten Einsatz von Augenbewegungen hin zum erblindeten Bereich, um das fehlende Sehvermögen auszugleichen.

Konvergenzinsuffizienz

Die mangelnde Fähigkeit der Augen, sich parallel auszurichten (z.B. beim Schielen).

Kortikaler Vergrößerungsfaktor

Ein Verstärkungsmechanismus des Gehirns, der dafür sorgt, dass das Zentralsehen eine deutlich höhere Sehschärfe hat als das Randsehen.

Langzeit-Potenzierung (engl: »long-term potentiation« oder LTP)

Ein Phänomen, bei dem die stimulierten Nervenzellen darauf konditioniert werden, elektrische Informationen leichter weiterzuleiten. Man nimmt an, dass es sich bei LTP um die neurobiologische Grundlage von Lernen und Gedächtnis handelt.

Lins

Die natürliche optische Linse im Innern des Auges, die die Lichtstrahlen auf die Retina bündelt.

Low Vision

Eine ursachenunabhängige Bezeichnung für schlechtes Sehvermögen, bei dem selbst Alltagstätigkeiten problematisch werden und das nicht mit Brillen, Kontaktlinsen, medikamentöser Behandlung oder Operationen behandelt werden kann.

Lutein

Ein aus Pflanzen gewonnenes Augenschutz-Vitamin, das in den gelben Pigmenten von Blattgemüsen wie Spinat, Kohl, Mais und Karotten vorkommt.

Makula

Der zentrale Teil der Retina, der für das scharfe Zentralsehen verantwortlich ist.

Merkmalerkennung

Die Erkennung und Analyse von Bildern.

Mikrosakkaden

Die leichten, ruckeligen Augenbewegungen, die für hochauflösendes Sehen wichtig sind; sie sind so klein, dass sie mit bloßem Auge nicht erkennbar sind.

Modelllernen

Eine seltene Störung, oft die Folge eines Schlaganfalls, bei der die Betroffenen einen Gegenstand zwar sehen, aber das Bild nicht in seiner Gänze erfassen können. Die Betroffenen können außerdem Mühe haben, zu fixieren oder die räumliche Lage eines Objekts einzuschätzen.

Monokulare Sicht

Der für ein Auge sichtbare Bereich, während man nach vorne blickt.

Motorischer Kortex

Der für die Körperbewegung zuständige Teil der Großhirnrinde.

Muskuläre Asthenopie (Augenmuskelschwäche)

Eine Autoimmunkrankheit, bei der die für die Muskelkontraktion zuständigen Nervenleitbahnen blockiert sind.

Myopie oder Kurzsichtigkeit

Ein meist mittels Brille korrigierbarer Sehfehler, bei dem nahe Objekte schärfer gesehen werden als weiter entfernte.

National Eye Institute’s Visual Function Questionnaire (NEI VFQ)

Ein standardisierter Fragebogen zur Beurteilung der Lebensqualität in Bezug auf das Sehvermögen.

Neuronen

Die maßgeblichen, hochspezialisierten Nervenzellen im Gehirn, die für die Verarbeitung und Weiterleitung von Informationen verantwortlich sind. Neuronen werden oft als Hirnzellen bezeichnet, allerdings gibt es neben den Neuronen im Gehirn auch andere Zelltypen.

Neuronale Plastizität (Hirnplastizität)

Die Fähigkeit des Gehirns, sich Veränderungen anzupassen. Hierzu gehört sowohl die Modifizierbarkeit des gesunden Gehirns beim Lernen als auch die des geschädigten Hirns, mit der dieses sich selbst repariert.

Neuroplastizität

Siehe neuronale Plastizität.

Neurowissenschaftler

Ein zur Hirnforschung qualifizierter Wissenschaftler mit einer Ausbildung als Psychologe, Biologe, Mediziner, Neurowissenschaftler oder Ingenieur.

Objektagnosie

Eine Störung, bei der die Betroffenen Gegenstände nicht erkennen oder viel Zeit dafür benötigen.

Offenwinkelglaukom

Die häufigste Form der Augenkrankheit Glaukom (grüner Star), verursacht von einem Druckanstieg der Augenflüssigkeit, die durch eine Art Verstopfung nicht richtig abfließen kann.

Ophthalmologe (Augenarzt)

Ein Arzt, der eine augenärztliche Grundversorgung anbietet und auch chirurgische Eingriffe am Auge durchführt.

Ophthalmoskop (Augenspiegel)

Ein aus Spiegel und Linse bestehendes Instrument, mit dem der Augenarzt das Augeninnere untersucht.

Optiker

Ein Handwerksberuf, der hauptsächlich Sehtests durchführt und Brillengläser und andere optische Hilfsmittel herstellt oder verkauft.

Optische Kohärenztomographie (OCT)

Ein technisches Verfahren, mit dem die verschiedenen Zellschichten der Retina sichtbar gemacht werden. Dabei kommt Infrarotlicht zum Einsatz, das tief in das Gewebe eindringt.

Optisches Chiasma

Die Stelle hinter den Augen (an der Hirnbasis), an der sich die Sehnerven beider Augen wie bei einer Kreuzung in zwei Teile verzweigen, wobei jeweils nur eine Hälfte auf die andere Seite des Gehirns kreuzt.

Orientierungsreaktion

Die sofortige Hinwendung der Aufmerksamkeit bei Mensch und Tier zum Ort des Geschehens, wenn sich eine Veränderung in der Umgebung ergibt, die potenziell bedeutungsvoll ist.

Palinopsie

Ein beim Sehverlust erlebtes visuelles »Echo«. Beispiel: Man sieht eine auf dem Tisch stehende Kaffeetasse, wendet den Blick ab und sieht die gleiche Kaffeetasse an einer anderen Stelle im Raum.

Parietallappen

Die für Sprache und die Verarbeitung von Informationen verantwortlichen, zu beiden Seiten des Gehirns liegenden Hirnareale.

Perimetrie, schwellennah

Ein Test, bei dem zur Vermessung des Gesichtsfelds wenig intensives (schwaches) Licht verwendet wird, um Beeinträchtigungen des Sehvermögens aufspüren zu können.

Perimetrie, überschwellig

Ein Test, bei dem zur Vermessung des Gesichtsfelds hochintensives (helles) Licht verwendet wird, um Bereiche mit Restsehfähigkeit besser aufspüren zu können.

Peripheres Sehen (Randsehen)

Der seitlich von den Augen sichtbare Bereich.

Phosphene

Durch elektrische Stimulation ausgelöste, pulsierende Lichtwahrnehmungen, die anzeigen, dass die Nervenzellen richtig stimuliert werden.

Photonen

Lichtstrahlen

Plastizität innerhalb des Systems

Die Übernahme geschädigter Hirnareale durch Rest-Hirnzellen des geschädigten Systems selbst.

Plastizität zwischen den Systemen

Die Übernahme der geschädigten Hirnfunktionen durch andere Hirnsysteme.

Presbyopie (oder Alterssichtigkeit oder Altersweitsichtigkeit)

Ein altersbedingter Sehfehler, bei dem das scharfe Sehen von Objekten zunehmend erschwert ist aufgrund von Schwierigkeiten in der Nahanpassung des Auges durch Akkommodation.

Pretectum

Das Hirnstammzentrum, das die Größe der Augenpupillen kontrolliert.

Primäres Sehzentrum (V1)

Das Areal im hinteren Bereich des Hinterhauptlappens, in dem das Verständnis des Gesehenen beginnt.

Prisma

Ein mehrflächiges Objekt aus Glas, das das Licht beugt. Wird zuweilen verwendet, um den im Gesichtsfeld fehlenden Abschnitt in den intakten Abschnitt des Gesichtsfelds zu projizieren.

Pseudohalluzinationen

Von Menschen mit Sehverlust wahrgenommene fiktive (imaginierte) Bilder, bei denen den Betreffenden klar ist, dass sie nicht real sind. Sie sind von echten Halluzinationen zu unterscheiden, die bei Schizophrenie oder Drogenkonsum vorkommen und von den Betroffenen für real gehalten werden. Bei Menschen mit Sehverlust sind Pseudohalluzinationen positiv zu werten: Sie sind ein Zeichen dafür, dass das Gehirn versucht, sich selbst zu reparieren.

Psychodramatische-Therapie (oder Psychodrama)

Ein Psychotherapieansatz, bei dem erwünschtes Verhalten durch Rollenspiel geübt und gefördert wird.

Pupille

Der schwarze Fleck in der Augenmitte. Die Pupille ist das Loch, durch das die Lichtstrahlen ins Auge dringen. Ihre Größe, die von der Iris kontrolliert wird, regelt die Lichtmenge, die ins Auge gelangt.

Quadrantenanopsie (Quadrantenausfall)

Ein der Hemianopsie ähnliches Augenleiden, bei dem der Sehverlust jedoch ein Viertel des Gesichtsfelds umfasst.

Raumerkennungsstörung

Eine Störung der Fähigkeit, sich räumlich zu bewegen, zu orientieren oder Gegenstände zu manipulieren.

Refraktionsfehler

Optischer Fehler, bei dem das Licht nicht korrekt auf die Retina gebündelt wird, wodurch oft eine Brille nötig wird; oft in Verbindung mit unscharfer Sicht. Die Ursache kann eine Veränderung der Hornhaut, der Linse oder der Augenform sein.

Relativer Defekt

Ein Gesichtsfeldabschnitt mit schwächerem oder beeinträchtigtem Sehvermögen, ohne dass ein vollständiger (absoluter) Sehverlust vorliegt. Der relative Defekt wird durch einen Perimetrietest gemessen.

Restsehfähigkeit

Das nach dem Sehverlust noch vorhandene Sehvermögen. Allgemein gehören dazu auch Bereiche mit noch intakter Sehleistung, im engeren Sinne meint der Begriff jedoch ein reduziertes Sehvermögen, das weder normal ist noch gänzlich fehlt.

Resynchronisierung

Ein Prozess, bei dem mehrere Zellen dazu gebracht werden, simultan zu feuern, um ein beschädigtes Hirnareal zu reparieren.

Retina

Eine Gewebeschicht, die das Augeninnere tapetenartig auskleidet. Die Retina wandelt das visuelle Bild in Nervensignale um und schickt diese zum Gehirn.

Eine genetische Augenerkrankung, die die Fotorezeptorzellen der Retina schädigt und nach und nach zum Erblinden führt.

Retinotope Organisation (retinotope Ordnung)

Das Prinzip, nach dem die räumliche Anordnung der visuellen Welt, die als Bild von der Retina empfangen wird, auf dem Weg zur Sehrinde erhalten bleibt.

Rezeptives Feld

Ein Abschnitt im Gesichtsfeld, in dem ein Stimulus eine bestimmte Nervenzelle oder Gruppe von Nervenzellen dazu bringt, elektrische Signale zu feuern.

Schwachsichtigkeit

Siehe Amblyopie.

Sehbahn

Die neuronale Verbindung hinter dem optischen Chiasma, die Informationen von beiden Sehnerven zum Thalamus und zum Hinterhauptlappen weiterleitet, wo die Interpretation der visuellen Signale beginnt.

Sehblindheit

Verborgene Defizite in einem scheinbar normalen Gesichtsfeldabschnitt, verursacht durch eine allgemein verlangsamte Informationsverarbeitung und mangelnde Synchronisation im Gehirn.

Sehschärfe

Ein gute Sehschärfe ist für hohe Auflösung erforderlich.

Sehtherapie

Übungen für die Augen- und Gehirnfunktionen, die meist unter Anleitung eines Optikers oder Optometristen durchgeführt werden. Sie helfen bei Sehproblemen wie Schwachsichtigkeit, Schielen, Doppelsehen, Konvergenzinsuffizienz sowie bei manchen Lese- und Lernbehinderungen.

Sehtraining

Training zur Wiederherstellung der Sehkraft für Menschen mit Sehverlust, das die Nervenzellen mittels Sehübungen aktiviert und so das Sehvermögen verbessert. Die Übungen müssen normalerweise für mehrere Wochen bis Monate durchgeführt werden.

Seitlicher Kniehöcker (Corpus geniculatum laterale oder CGL)

Ein Test, bei dem zur Vermessung des Gesichtsfelds wenig intensives (schwacheDas Gewebe im Thalamus des Gehirns, das von der Retina hereinkommende visuelle Informationen empfängt und weiterverarbeitet. Das CGL ist die erste Station für die Verarbeitung von sensorischen Informationen und Bewegungen im Gehirn und leitet seine Informationen weiter an den visuellen Kortex.s) Licht verwendet wird, um Beeinträchtigungen des Sehvermögens aufspüren zu können.

Sekundäres Sehzentrum

Der Teil der Großhirnrinde, in dem die vom primären Sehzentrum oder über die extrastriäre Sehbahn kommenden Informationen weiterverarbeitet werden. Im sekundären Sehzentrum gibt es viele verschiedene Verarbeitungszentren, die zum Beispiel als V2, V3, V4 und V5 bezeichnet werden und das Sehen von Farben, Bewegungen, Formen etc. ermöglichen.

Sklera

Die harte, weiße Außenhaut, die den Augapfel fast vollständig umschließt.

Skotom

Durch eine Erkrankung verursachter blinder Gesichtsfeldabschnitt bei Menschen mit Sehverlust. Nicht zu verwechseln mit dem normalen, angeborenen blinden Fleck.

Snellen-Test

Ein verbreiteter Sehtest, bei dem man normalerweise einzelne Buchstaben lesen muss, wobei oben links mit einem großen E begonnen wird. Mit dem Test wird die Sehschärfe aus verschiedenen Entfernungen für Nah- und Fern-Sehen ermittelt.

Stäbchen

Die spezialisierten Nervenzellen in der Retina, die empfindlich auf Hell-Dunkel-Unterschiede reagieren.

Stereopsie

Der Verlust der Tiefenwahrnehmung beim dreidimensionalen Sehen, zu dem es infolge von Störungen der Augenbeweglichkeit, Augenposition oder Hirnschäden kommen kann. Das gesehene Bild wirkt »flach«.

Strabismus

Eine Störung, bei der die Augen nicht parallel ausgerichtet sind; oft eine Folge der mangelnden Koordination der Augenmuskeln.

Substitution

Eine Methode, bei der der Verlust eines Sinnes (zum Beispiel des Sehsinns) durch die Stärkung anderer Sinne (etwa des Gehörs) ausgeglichen wird.

Synaptische Plastizität

Die Stärkung oder Schwächung der Zellverbindungen (Synapsen) im Gehirn durch wiederholte Aktivität (»Nutzung«) beziehungsweise mangelnde Aktivität (»Nicht-Nutzung«).

Tectum

Ein Areal in der Gehirnmitte, das die Augenbewegungen koordiniert und die visuellen Informationen mit den Informationen anderer Sinnesorgane integriert.

Tonometrie

Ein Test des Augeninnendrucks, der oft verwendet wird zum Aufspüren eines Glaukoms und anderer mit dem Augendruck zusammenhängender Augenerkrankungen.

Transmodale Plastizität

Die Fähigkeit des Gehirns, einen Sinn wie den Sehsinn durch einen anderen wie den Tastsinn oder das Gehör auszugleichen.

Transorbitale Wechselstromstimulation (tACS)

Eine Therapie zur Wiederherstellung der Sehkraft, bei der über auf der Stirn platzierte Elektroden schwacher elektrischer Strom an das Auge abgegeben wird. Die Stromstöße regen die Retinazellen zum gleichzeitigen Feuern an (Synchronisierung), wodurch das Restsehen gestärkt wird.

Trockene Augen

Eine Störung, bei der die Augen austrocknen, weil sie nicht genug Tränenflüssigkeit produzieren oder die Tränen zu schnell verdunsten. Eine mögliche Ursache ist zu seltenes Blinzeln.

Tunnelsehen

Ein stark eingeengtes Gesichtsfeld, bei dem nur noch ein kleiner, kreisförmiger Ausschnitt gesehen wird, vergleichbar dem Ausgang eines Tunnels.

»Top-down«-Einflüsse

Informationen aus dem Inneren des Gehirns (wie Aufmerksamkeit oder Erinnerungen). Gemeinsam mit den »bottom-up«-Einflüssen, die von außerhalb des Gehirns hereinkommen, ermöglichen sie die Interpretation der visuellen Welt.

Uveitis

Eine Gruppe entzündlicher Augenerkrankungen, die zu Schwellungen führen und das Augengewebe zerstören.

Visuell angereicherte Umgebung

Eine visuelle Umgebung, die mit mehr oder komplexeren visuellen Objekten angereichert (erweitert) wird, als dies normalerweise der Fall ist. In der Forschung überprüft man mit angereicherten Umgebungen, welche Auswirkungen stärkere visuelle Erfahrungen im Vergleich zur normalen visuellen Erfahrung oder zum beeinträchtigten (reduzierten) Sehvermögen auf das Gehirn hat.

Visuelle Phantome

Nach einem Sehverlust erlebte Halluzinationen, während das Gehirn aktiv ist und sich selbst repariert (siehe Pseudohalluzinationen).

Visuelle Vorlagen

Neuronale Repräsentation typischer Formen, Gestalten und Umrisse, die in der frühen Kindheit durch Erfahrung gelernt werden. Das Gehirn vergleicht diese Vorlagen (oder Schnittmuster) ständig mit den visuellen Bildern aus der Umwelt, um Objekte in der äußeren Welt zu identifizieren.

Zapfen

Die spezialisierten Fotorezeptoren in der Retina, die für das Farbensehen verantwortlich sind.

Zeaxanthin

 Ein Augenschutz-Vitamin pflanzlicher Herkunft, das zusammen mit dem Lutein in den gelben Pigmenten von Blattgemüsen, orangefarbener Paprika und Obst vorkommt.

Zeitliche Verarbeitung

Die Aktualität der Informationsverarbeitung im Gehirn, einschließlich der Verarbeitungsgeschwindigkeit und der Synchronisierung vieler gleichzeitig feuernder Hirnzellen.

Zellverbünde

Ein Netzwerk aus Zellen.

Zentralsehen

Der Abschnitt des Blickfelds, mit dem man am schärfsten sieht, wenn beide Augen nach vorne blicken. Er wird zum Lesen und Analysieren von Gegenständen oder Bildern benötigt.

Zielreiz

Ein Stimulus, oftmals ein Lichtpunkt, der den untersuchten Patienten zu einer Reaktion veranlassen soll, um dem Untersucher Anhaltspunkte darüber zu liefern, wie gut der Patient sehen kann.